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Der alte Mann und das Geld

Der alte Mann war Millionär. Sein unermesslicher Reichtum bestand in all seinen Originalen an Bildern und Skulpturen.

Er war ein leidenschaftlicher Sammler gewesen und jetzt über alle Massen reich. Es hätte alles so problemlos laufen können, wenn da nicht die Sache mit dem Sohn gewesen wäre. Dieser war in jungen Jahren tödlich verunglückt und hatte eine unausfüllbare Lücke im Leben des alten Mannes hinterlassen.

Als der Mann starb, hinterliess er ein Testament, das besagte, dass der ganze Besitz versteigert werden sollte, da er keine Erben hatte. Die Händler, Kunstkenner und Millionäre kamen von überall her, um an der Versteigerung teilzunehmen. Der riesige Raum war brechend voll, denn alle wollten sich diese Gelegenheit, eines der Kunstwerke zu ersteigern, nicht entgehen lassen.

„Ehe die Versteigerung beginnt“, fing der Auktionator an, „wäre da noch eine Bedingung des Verstorbenen, nämlich der erste Satz im Testament.“ Und während er das sagte, nahm er ein Bild

des früh verstorbenen Sohnes aus seiner Mappe. „Dieses Bild muss zuerst versteigert werden.“ Natürlich war keiner der Anwesenden an diesem minderwertigen Bild von dem Sohn interessiert. Irgendein unbekannter Maler musste es vor Jahren angefertigt haben. Aber Testament ist nun einmal Testament, und so beharrte der Auktionator auf seiner Forderung.

Dann schliesslich erhob sich hinten in der Ecke der alte Butler des Millionärs und sagte:

„Ich habe den Jungen gekannt, ich möchte das Bild gerne ersteigern.“ Da es keinerlei Konkurrenzangebot gab, erstand er das Bild für ein paar Dollar, also für praktisch nichts.“

„Damit, meine Damen und Herren“, liess der Auktionator sich wieder hören, „ist die Versteigerung beendet.“ Ein eisiges Schweigen legte sich über den Raum. -  „Beendet,“ hörte man eine Stimme. „Sie hat doch noch gar nicht richtig angefangen.“

„Meine Damen und Herren“, fuhr der Auktionator fort, „der zweite Satz im Testament des Verstorbenen lautet: Wer den Sohn hat, hat alles.“

Alles Klagen, Bedauern, Beschweren nützte nichts mehr. Die Gelegenheit war endgültig verpasst. Trotzdem aber stand dieser Satz unerschütterlich im Raum: Wer den Sohn hat, hat alles.

Ein perfektes Beispiel für Gott und seine Liebe zu uns. Deshalb schickte er seinen Sohn auf diese Welt, mit dem Angebot: Wer an den Sohn glaubt, der hat das Leben. Der hat alles.

von Michael Depuhl

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